Ich erinnere mich noch, als ob es gestern gewesen wäre: An einer Stadtratssitzung teilte uns Stadtpräsident Mike Künzle mit, dass erstmals schweizweit ein Vorlesetag stattfinden würde. Und der Leiter der Winterthurer Bibliotheken, Hermann Romer, habe sich überlegt, dass die Stadtratsmitglieder in den sieben Bibliotheken auftreten würden. Es war so ein Moment, in dem alle fanden: «Klar, super Idee».
Und so las ich am 23. Mai 2018 in der bis auf den letzten Platz mit Kindern besetzten Bibliothek Veltheim Geschichten vor, die von Kindern verfasst wurden. Genau dort, wo ich in meiner Kindheit unzählige Stunden verbracht habe und wo seit deren Eröffnung 1981 meine Mutter bis zu ihrer Pensionierung arbeitete.
Seit 2018 ist der Vorlesetag ein fixer Bestandteil in den stadträtlichen Agenden. Jede Bibliothek hat ihr eigenes Ambiente. Mal kommen etwas mehr, mal weniger Kinder. Man weiss es bis kurz vor Beginn nie so genau. Immer aber ist es faszinierend, überraschend und lehrreich, mit den Kindern auf Tuchfühlung zu gehen.
Der Tag zeigt, wie schön Vorlesen ist. Und wie wichtig. Denn regelmässiges Vorlesen schafft nicht nur Nähe, sondern unterstützt Kinder auch in ihrer Entwicklung. Kinder, denen täglich vorgelesen wird, haben einen grösseren Wortschatz und lernen leichter lesen und schreiben.
Mir bleiben nun noch sechs Tage, um das Vorlesen zu üben. Denn nächste Woche ist es wieder so weit. Am Mittwoch, 27. Mai, um 15 Uhr, lese ich in der Bibliothek Hegi aus zwei Kinderbüchern vor. Und meine Stadtratskolleg:innen zur selben Zeit in den anderen städtischen Bibliotheken. Es würde uns freuen, ihre Kinder oder Enkel zu treffen – und ihnen vorlesen zu dürfen.
Nicolas Galladé, Stadtrat, Vorsteher Departement Soziales